Nur wenn ich denken möchte, schlaf ich ein. Doch wenn ich schlafen möchte, muss ich denken.

Die Forderung nach einer – im allgemeinen Sinne – verständlichen Literatur ist die hilflose Geste derjenigen, die vom Dichter verlangen, alle Antworten bereits zu kennen. Dieses Verlangen ist Ausdruck der Angst vor den (dem) Fragen, vor dem Selber-Denken. Die Figur des fragenden, des zweifelnden oder gar verzweifelnden Dichters ist die Angstgestalt der Nach-Denker, derjenigen, die eines Vor-Denkers bedürfen.


DIE WOLKEN ÜBER DEM ZUG

stehen still und all die Käfer
und Larven ringsum wundern sich
über den Stillstand der Wolken.

Die Züge stehen still bisweilen, ja.
Aber die Wolken am Himmel doch nicht!

Das murmeln sie, verharren noch kurz.
Dann setzen sie ihre Arbeit fort.


Klassischer Dialog (Kurparkstübl)

Der eine: „Es fielen so viele auf sächsischem Feld!“

Der andre: „Und aus meiner Tasche sämtliches Geld.“


WIEN, MARIENBRÜCKE

für Lutz & Lutz

Die Beine hochgeschlagen sitzt er da
und schaut und raucht
und raucht und schaut
und schiebt die Arme hintern Kopf

er schiebt die Sonnengläser hoch
und greift den Stellstock für die Weichen
er stellt die Trambahnweiche um

dann setzt er sich und setzt die Sonnengläser auf
und raucht und schaut
und schaut und raucht
und lässt sich bräunen


Blendungszusammenhänge.






































Das blinde Haus

ich hatte Dir von jenem Haus erzählt, das es nicht gab, und es Dir darum umso genauer beschrieben, wie es dort hing, eingeklemmt zwischen zwei fühllosen Gründerzeitbauten, eingeklemmt hing, mit den fünf niedrigen Etagen, schiefen Fenstern, dem rissigen und verquollenen Fachwerk, eingeklemmt hing zwischen zwei fühllosen Gründerzeitbauten in der Zenogasse, einer Zenogasse, die mit unserem Betreten die sieben Meter neunzig gewachsen sein musste für dieses Haus aus einer Zeit ohne Nummern, nur mit dem Vermerk über den Bauherren, einen Herrn Anton Michel, als ob die Gasse gewachsen sei, und dies doch nur auf unserer Seite, auf der das Haus zwischen den Häusern hing, vor dem violetten Nachthimmel eingeklemmt, als hätten sich die Gehsteigplatten einfach dupliziert, das Moos in den Fugen sei in ein Nichts gewachsen, in diese sieben Meter neunzig Ungewissheit vor jenem Haus, das es nicht gab

ascheflocken die raben vor dem dezembergrauen (blaugrau…) abendhimmel


Wohnblockschmu (eine Replik)

Manchmal glauben wir ja, daß unsere geschätzten Blockhüttenbewohner alle Buddhisten sind. Eben begegnete uns eine mit einem Pekinesen. Auf unseren Gruß („Hellööö“) wusste sie nichts schlechteres zu entgegnen als: „Immer mit der Ruhe – sonst wird das ja nüscht.“