…Implosionen der Wirklichkeit und Ausbrüche[n] der Wehmut…

„Europa – eine Idee, ein Schlachtfeld, ein Raum, eine Hoffnung, eine Zerrissenheit“

Babelsprech.org […] ist mit neun verschiedenen Dichter*innen vertreten.

Den Anfang macht Moritz Gause, mit einem Gedicht, das man wohl zornig nennen darf. Zornig, mit einigen schnellen Brüchen und starken Bildern, Implosionen der Wirklichkeit und Ausbrüchen der Wehmut. Eine Sehnsucht ist darin, bäumend und klamm, der Wind möge wieder über friedlichere Ebenen wehen, statt sich an Wolkenkratzern zu brechen und Plastiktütenmüll zu bauschen.

Timo Brandt bei fixpoetry
über Journal aus Bischkek
erschienen 2016 in AKZENTE (Ausgabe 3/2016: Europa)

 

 

Advertisements

… zumindest kein Kitsch…

In einer Mußestunde aufgelesen:

… weiss ich nicht so recht, was ich mit den „Drei Gedichte[n] aus Kyrgyzstan“ von Moritz Gause anfangen soll – bisschen viel bisschen sehr archaische Landschaft, bisschen sehr archaische Politik in bisschen viel Zwischentönen – zumindest kein Kitsch …

 

Stefan Schmitzer bei fixpoetry
über Drei Gedichte aus Kyrgyzstan
erschienen 2015 in Metamorphosen 11


Möglichkeiten semirelationaler Kontrollerleichterungsmechanismen in der als marktkonform apostrophierten Demokratie


TRANSIT in den 10. JUNI 20-13

im Flug hab ich
das Nilpferd mit Gesang beschwingt
eine Panzerkette rasch geflickt
das Armband meiner Uhr
an der Ostseemündung
Haveldünen; Wurzelstrand


ANH; Theorie der Arbeit

Dieser Satz im Arbeitsjournal Alban Nikolai Herbsts bringt wohl einen der poetologischen Pfeiler Der Dschungel sehr gut zum Ausdruck:

So ein täglicher Beitrag, wenn er, auch wenn er nur ein Einstieg ist, etwas erzählen soll, braucht mindestens eine Stunde, bis er fertig ist, nicht selten länger, vor allem wenn ich Themen habe und nicht nur plaudern will, mein Selbstgespräch weiterführen, diese unabgebrochene Meditation mit sich selbst. Um mir, nicht etwa Ihnen, zu erzählen, was ich bin und vorhabe,
vorzuhaben h a b e.

– Einen Pfeiler nicht nur der Poetik Der Dschungel, sondern der vieler Tagebücher, die über die literarische Ambitioniertheit hinausreichen, deren Autoren die Literatur nicht als einen beliebigen Utilitarismus begreifen, in dem sich zynisch baden lässt.