Markus Sehl

(c) Markus Sehl

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Markus Sehl
geboren 1986 in Darmstadt, studierte Rechtswissenschaften in Freiburg/Breisgau, Istanbul und Berlin. Seit 2012 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2006 Bundespreisträger Treffen Junger Autoren. Von 2008 bis 2012 Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Veröffentlichungen u.a. in L. Der Literaturbote, Zeichen und Wunder und zuletzt in „Risikoanalyse“, Das Beste aus dem MDR-Literaturwettbewerb 2013, poetenladen, Leipzig.

Intro (Auszug)

Als seien das alles Anzeichen. Als würden wir dieses Mal nicht umsonst warten. Langsam dreht sie sich mit dem Fernglas zu mir. Ich lasse meine Beine vom Hochsitz baumeln, wahrscheinlich ein wenig verschwommen, keine Schärfentiefe. Ich zucke mit den Schultern, nur so, aber sie lässt mich nicht aus den Augen. Sie nimmt das alles ernst.

Aus welcher Richtung kommen sie? Von Süden. Südosten. Ich deute vor uns in den Wald und wüsste gerne, dass die Richtung stimmt. Vieles, von dem was wir sagen, sind Mutmaßungen. Dass gerade eine Hochdruckwetterlage herrscht, und dass das gut ist. Dass man sie gar nicht mit Gänsen verwechseln kann oder mit Reihern. Ein grauer, lang gestreckter Körper und ganz dunkle, fast schwarze Schwingen. Ich stelle mir so einen Kranich als großen, urzeitlichen Reiher vor. Ich finde das Diktaphon in meiner Jackentasche und spreche langsam und überdeutlich. Die nasse Dunkelheit am Boden, Stille und Nebel über dem Feld, darüber der noch gelbe Himmel. Dann plötzlich dieses Krächzen, diese hohen Schreie in der Luft. Erste Schatten gleiten über die Waldkante. Der Flug der Vögel ist eine einzige Bewegung.

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