TRANSIT in den 10. JUNI 20-13

im Flug hab ich
das Nilpferd mit Gesang beschwingt
eine Panzerkette rasch geflickt
das Armband meiner Uhr
an der Ostseemündung
Haveldünen; Wurzelstrand

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5 Kommentare on “TRANSIT in den 10. JUNI 20-13”

  1. Das Gedicht müssten Sie auflösen bzw. erklären. Mir fällt dazu gar nichts ein.

    • mag sagt:

      Lieber Arnold Bathurst,

      das kann und will ich nicht — zunächst sind doch die Bilder da.
      Und meine Hoffnung, dass diese ein wenig fließen.

      Herzliche Grüße,
      mag

      • Sehe jetzt erst die Antwort auf meine Nachfrage. Ich war ein paar Tage ausgehebelt, wenn man so will.

        Na ja, sofern ich das sagen kann, habe ich dann und wann durchaus den Eindruck gehabt, Sie verwehren sich lieber poetologischen Äußerungen. Was ja nicht heißt, dass man sich auch poetologischen Überlegungen verschließt. Ich will aber anmerken, dass ich Ihrer Seite entnehme, Sie halten sich in Jena auf. Als Mensch, der in einer Stadt wie Jena wohnt und dort auch mehr oder weniger kulturell und künstlerisch aktiv ist, entgeht einem sicher nicht, dass es etwa in den Jahren von 1798 bis 1800 eine, wenn man so will, literaturgeschichtliche Strömung gab, die als Frühromantik bezeichnet wird. Sie kennen das sicher. Wenigstens war immer mein Eindruck, den ich von der Frühromantik hatte, dass gerade auch Poetologie poetisch wird. Der jüngere Schlegel wenigstens spricht ja von einer Poesie der Poesie und in letzter Konsequenz sogar von einer Poesie der Poesie der Poesie der Poesie usw. (Was Hegel übrigens (Ich muss an dieser Stelle ein wenig so tun, als hätte ich große Ahnung und will mich als gelehrt produzieren!) als „unendliche absolute Negativität“ bezeichnet, schlichtweg darum, weil diese Poesie der Poesie in die Tiefe des Subjekts stürzt, ohne Ziel, ohne Halt, immer weiter, immer tiefer.). Nun ist Ihnen sicher auch nicht entgangen, dass in die Dichtung überhaupt, zumal in die moderne, immer mehr die Reflexion einfällt. Ich meine, das ist alles nicht neu, irgendwie, und vielleicht sogar nur zu einem gewissen Grad als innovativ zu bezeichnen. Aber was mich nun interessieren würde: Ist Ihre Verweigerung, sich poetologisch zu äußern, in irgendeiner Hinsicht auf solche Überlegungen bezogen? Oder: Wie ist Ihr Verhältnis, Texte zu schreiben, darin die Bilder fließen sollen, mit der Distanzierung von Texten, die Reflektives enthalten, zu verstehen. Ich meine, ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie so ein naiver Schreiber im schillerschen Sinne sind.

        Das wurde etwas länger. Beg your pardon! Klingt auch etwas geschwollen. Aber da hier nun mal das Siezen bevorzugt wird, was ich gut finde, wird wohl auch der Ton etwas elitärer.

        LG

        AB

        • mag sagt:

          Lieber AB!

          Sicherlich,ein wenig naiv bin ich schon. Ob im Schillerschen Sinne allerdings, das weiß ich nicht. Wie Sie auf die poetologischen Äußerungen kommen über meinen Unwillen, ein Gedicht zu erklären, verstehe ich zwar nicht ganz, ist doch eine sinnvolle Poetik immer auf eine (vom Dichter erhoffte) Gesamtheit des Schreibens bezogen, und nicht auf einzelne Gedichte. Aber abgesehen davon: ich mags einfach nicht, wenn die Poetik die Poesie überlagert, lese soetwas nur selten gern — auch, wenn es manchmal Witz hat — und möchte soetwas auch nicht schreiben. Sicherlich hat diese verkopfte Dichtung auch ihre Berechtigung, für mich aber ist sie in den meisten Fällen schlicht uninteressant. Ich hab während meines Studiums schon genügend theoretisches gelesen, und möchte in Gedichten anderes: Leben, Blut, Liebe, Schönheit, Melancholie, Verrücktheit, Leidenschaft, Kontemplation. Die akademische Welt ist schon tot genug. Warum sollte sie sich auch in die Dichtung noch einschleichen? Früher war das was anderes, da wars was neues. Heute… meiner Meinung nach nicht. Aber das betrifft jetzt alles nur die Gedichte, die selbst poetologische Statements sind, oder Möglichkeiten des Gedichts explizit untersuchen, gelle? So einer ganz einfachen Art von Poetik verweigere ich mich selbstverständlich nicht, denn auch ich hab ja so meine Vorstellungen vom Schreiben. Da ich aber nichtsdestotrotz rechtschaffen schreibfaul bin, stelle ich Ihnen einfach einen Auszug einer Arbeitsskizze für eine Stipendienbewerbung ein.

          Mit besten Grüßen,
          moritz gause

          – – – – –

          Heute Abend hörte ich im Radio eine dieser Sendungen, bei denen die Zuhörer anrufen und mitreden dürfen. Es ging um Mobiltelefone, und die Meinungen der Anrufer bewegten sich – wie üblich – zwischen hemmungsloser Affirmation und hysterischer Ablehnung. Eine Position jedoch, eine der ablehnenden, teile ich: Viele Benutzer von Smartphones sind häufig nicht mehr Teil ihrer Umwelt, sie nehmen kaum noch wahr, was um sie herum geschieht. Das ist m. E. nicht der Existenz von Smartphones allein anzulasten. Unsere Welt ist so sehr beschleunigt, und so sehr auf ein oberflächliches Verständnis von Effizienz konzentriert, dass die Wahrnehmung des vermeintlich Alltäglichen zurücktritt hinter die Bemühung, die städtischen, ländlichen und sozialen Räume so rasch und widerstandslos zu durchqueren wie möglich. Mit dieser Zielgerichtetheit einher geht eine Entfremdung von der Lebenswelt, die erschreckend ist. Wozu soll ich schließlich leben, wenn die einfachen Freuden – der Duft des Frühlings, das Farbenspiel eines Insektenpanzers, die Melancholie eines abendlichen Bahnsteiges, der Jagdflug eines Greifvogels oder die schneidende Klarheit der Winterluft – zugunsten der Börsenkurse oder einer belanglosen Diskussion über Modefragen in einem facebook-thread vergessen werden? Die Scheuklappen der Menschen werden größer und dichter, und nur noch die lauten Töne, die grellen Lichter schaffen es, den Filter zu durchdringen, der sich vor die Sinne gelegt hat.

          Mein Zyklus von Landschaftsgedichten, eine poetische Kartographie der Räume, die auch ich häufig achtlos durchquere, soll den Versuch machen, dem Fluss kurz zu entsteigen und die Augen zu öffnen. Die Augen zu öffnen sowohl dem Schönen als auch den Zumutungen, den Scheußlichkeiten. Meiner Meinung nach ist die einzige Medizin gegen die großstädtische Beschleunigung der Finger, der auf scheinbar einfaches zeigt. Ein Gedicht, das sagt „Halt ein! Schau, was Du so häufig verpasst!“ Die einzige Medizin ist es, den Dingen Zärtlichkeit und Liebe entgegen zu bringen! Die Stadt, ebenso wie die Natur, als eine Landschaft zu begreifen, als ein Feld, das durchstreift werden kann mit der selben Ruhe, die einer Wanderung zukommt. Angefangen mit einigen Transit-Gedichten sollen die Gedichte des Zyklus Momente während kurzer und langer Reisen und Gänge durch Städte, Orte und Landschaften aufzeichnen, deutlich verortet und nicht immer frei von der Beschleunigung, gegen die sie anreden und anreden müssen.

        • mag sagt:

          PS: Und weil diese Skizze nun so gar nichts mit dem anlässlichen Gedicht ganz oben zu tun hat, sag ichs Ihnen jetzt einfach: Das war ein Traum.


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